7 herrliche Tage Wasserwandern in Mecklenburg

Lesen Sie von meinem Wasserwander-Trip samt Tipps.

Jan WaldweissJan Waldweiss

Im Sommer 2020 war es soweit. Ein grossartiges Erlebnis aus Kinder- und Jugendzeit sollte sich wiederholen und ich war gespannt, wie es sich gut 20 Jahre später anfühlen würde. Wasserwandern in Mecklenburg Vorpommern war angesagt. Und das ganze 7 Tage lang.

Lasst mich Euch jetzt von diesen 7 Tagen erzählen und was ich dabei in angenehmer Begleitung erlebte.

1. Tag: Ristorante LA PERLA - Abschied nehmen

Bevor unsere Tour startete, machten wir Stippvisite in der Stadt Mirow. Dort besorgten wir uns einen sog. Touristen-Fischerei-Schein samt 7 Tage Angelkarte, die uns noch gute Dienste leisten sollten. Nächstes Ziel: Schwarzer See, wo unsere Tour offiziell begann.


Bei leichtem Nieselregen luden wir unser Gepäck und das Boot vom Auto ab. Es hiess nun Abschied nehmen von dem Menschen, der uns freundlicherweise einige hundert Kilometer zu unserem Startpunkt brachte.

Jetzt waren wir auf uns allein gestellt und entschieden, den vor uns liegenden Zivilisations-Entzug zu zelebrieren - und zwar im italienischen Restaurant LA PERLA, direkt am Schwarzer See gelegen, mit reichlich Pasta, Vorsuppe und Dessert.

Das herrliche Gefühl, zu wissen, nun 7 Tage in der Natur zu sein, erfüllte uns mit grosser Freude. In See gestochen ging es erst einmal nach Norden in den Ferling See, wo wir nach Erkundung des Gewässers am idyllischen Ufer bei einem Tee erst einmal die Natur genossen.

Da unsere Anreise doch etwas Zeit benötigt hatte, versuchten wir, trotz schöner Eindrücke, die Suche nach der 1. Übernachtung nicht aus den Augen zu verlieren.

So verliessen wir den Ferlingsee in Richtung Süden, liessen das Ristorante LA PERLA mit gut gefülltem Bauch rechts liegen, durchpaddelten den Zethnersee, den Mirower Adlersee, den Vilzsee und kamen bei besser werdendem Wetter so langsam in der magischen Ruhe und Stille der Mecklenburgischen Seenplatte an.


Nun verliessen wir den Vilzsee in Richtung Grosser Peetschsee. Mit etwas Glück, da spät dran, huschten wir als letzte Wasserwanderer durch die Diemitzschleuse, bevor diese Feierabend machte.

Es dämmerte bereits und unsere 1. Übernachtungsmöglichkeit war jetzt ganz nah: Der Biberferienhof - ein grosser Campingplatz tauchte direkt vor unserer Nase auf, der zudem einen gepflegten und ordentlichen Eindruck machte - sodass wir uns niederliessen. Es war spät und auf uns wartete der nächste Tag.

2. Tag: Notzelten wegen Dunkelheit

Der Morgen begrüsste uns mit Sonnenschein auf dem Wasserwanderplatz des Biberferienhofs. Frühstück, Zähne putzen, Zelt abbauen und dann ging es wieder auf die Wasserstrassen. Next Stop: Labussee, wo wir uns am Nordstrand mit Gaskocher und Kaffeemühle erst einmal einen Kaffee "zauberten". Ein anschliessendes Bad im Labussee erfrischte für kommende Paddelstunden.

Labussee1

Danach verliessen wir den Labussee nordöstlich in einen urigen Kanal, der uns in den Gobenowsee führte. Von dort paddelten wir in den Klenzsee - bis wir an der Übertragestelle* Wustrow zu einer kleinen Pause gezwungen waren.

[* Übertragestelle: Die Wasserwander-Tour unterbricht an dieser Stelle, da eine Verbindung der Gewässer fehlt, so dass, wenn keine andere Hilfe vor Ort, das Boot um einige Meter getragen werden muss.]

Gegen Vorlage des Personalausweises und einer 2€-Leihgebühr leisteten wir uns vor Ort einen Bootswagen und sparten Energie. Im Fall Wustrow lohnte sich das, da nicht nur geschätzte 300-400 Meter Strecke, sondern auch einige Höhenmeter zu überwinden sind.

Entspannt im Plätlinsee eingesetzt, fiel erst einmal eines auf: Keine Motorboote, herrlich! Dass der Plätlinsee Naturschutzgebiet ist, macht ihn besonders geniessenswert. Als langgestreckter See mit durchschnittlich 9 Meter Tiefe erreicht er an manchen Stellen bis über 30 Meter Tiefgang. Der Plätlinsee wirkt wild, unberührt und sehr natürlich, so dass er einen festen Platz in meiner Erinnerung hat.

Im Plätlinsee warfen wir das 1. Mal unsere Angeln aus.

Den Plätlinsee im Norden zu verlassen, war jetzt das Ziel, wobei der See-Ausgang nicht einfach zu entdecken war. Ich möchte bemerken, dass wir aus nostalgisch-romantischen Gründen nach einer alten DDR-Wasserwanderkarte paddelten, die, wie sich herausstellte, nicht mehr die aktuellste war :-)


Ausfahrt Plätlinsee hiess Einfahrt Schwaanhavel, ein mitunter enger, abwechslungsreicher und abenteuerlicher Kanal, in dem wegen niedrigem Wasserstand und starkem Bewuchs häufiges Ducken und Aussteigen angesagt war.

Die Schwaanhavel hat trotzdem Spass gemacht - auch wenn sie manchmal einfach nicht enden wollte.

Schwaanhavel

Letztlich landeten wir auf DER Havel, an einer Schleuse, und fuhren, nun wieder in Begleitung von grösseren Motorbooten, Richtung Norden in den Woblitzsee ein.

Auf die Einfahrt in den Woblitzsee nahe Gross Quassow hatte ich mich gefreut wegen der zahlreichen Erinnerungen mit alten Freunden, die auf dem dortigen Camping- und Ferienpark liegen. Leider war dieser überfüllt. An die geplante Übernachtung dort war leider nicht zu denken.

Das Problem? Es dämmerte schon.

Jetzt musste ein Notplan her! Notcampen auf einer frisch gemähten Wiese im nordöstlich verlaufenden Kammerkanal schien uns das Sinnvollste zu sein. Ein Zelt aufbauen inklusive Abendbrot mit Gaskocher bei fast völliger Dunkelheit ist im übrigen nicht zu empfehlen.

3. Tag: Langsam einsetzendes Urlaubsgefühl

Bereits früh am Morgen sagten wir unserem Schlafplatz "Adieu", um nicht vom Landeigentümer überrascht zu werden. Nun ging es auf dem Kammerkanal in Richtung Norden, mit Ziel: Zierker See.

Zelten am Kammerkanal

Unseren Notcampingplatz verliessen wir übrigens genauso, wie wir ihn vorfanden, und nun sollte ein Tag vor uns liegen, an dem wir allmählich losliessen, runterfuhren und immer mehr eins wurden mit der sich umgebenden, einmaligen Natur.

Unser nächstes Etappen-Ziel hiess, wie gesagt, Zierker See. Dieser ist zwar eine Sackgasse, doch es herrscht reger Betrieb, da an seinen Ufern eine der grössten Städte der Umgebung, und zwar Neustrelitz liegt.

Dass von Neustrelitz viele Touristenboote abfahren, bemerkten wir rückzu, als es zum langen Stau an der Schleuse des Kammerkanals kam. Glücklicherweise berührte uns das nicht wirklich, da wir uns mit dem Kanu und der Lore* gut vorbeimogeln konnten.


[* Eine Lore, im Sinne von Wasserwandern in Mecklenburg, ist ein Transportwagen, der auf 2 Schienen fährt. Anfang und Ende der Schienen liegen oft im Wasser, sodass man leichtere Boote gut auf diese Loren legen und sie dann um Hindernisse wie zum Beispiel Schleusen übers Land ziehen kann.]

Die kilometerlange Fahrt des Kammerkanals trotz starken Verkehrs bestmöglich geniessend, kamen wir nun wieder am für mich erinnerungsträchtigen Camping- und Ferienpark des Woblitzsees vorbei.


Den Woblitzsee passierend, fuhren wir nun auf dem Havel-Kanal, der uns direkt in den Grossen Labussee führte. Einen kleinen See weiter und wir erreichten unsere Unterkunft, den Familienpark am kleinen Labussee, der sich als mein persönlicher Campingplatz-Favorit der gesamten Reise herausstellen sollte.

Statt Menschenmassen sahen wir einen überschaubaren Campingort, der geordnet, familiär, ruhig und auf uns deshalb sehr angenehm wirkte. Mit Campern kam man, bei Bedarf, schnell ins Gespräch, andere waren hilfsbereit beim Aufladen des Smartphones am eigenen Wohnmobil. Das Highlight des Tages? Wir hatten unsere 1. Dusche nach mehr als 2 Tagen, was einer Offenbarung glich! :-)

4. Tag: Herzlich Willkommen "Börnie"

Zum Frühstück des 4. Tages hiess es: "Houston, wir haben ein Problem .." - denn wir bemerkten, die falsche Ersatz-Gas-Kartusche mitgenommen zu haben. Was im ersten Moment vielleicht nicht schlimm klingt, löste in uns blankes Entsetzen aus! Kein Grüner Tee, kein Kaffee, keine warme Mahlzeiten - Hiiiilllffeee!!!

Mitten auf der Mecklenburgischen Seenplatte eine passende Gaskartusche zu bekommen, war gar nicht so leicht, wie wir uns vorstellten. Im Familienpark am kleinen Labussee schüttelte man mitfühlend den Kopf. An der Nordseite des Grossen Labussees, in Zwenzow, konnte man uns leider auch nicht helfen.

Im Useriner See angekommen, konnte man uns weder beim Imbiss Seeblick noch beim gegenüberliegenden FKK-Campingplatz bei der Suche nach der richtigen Gaskartusche für unseren Adapter weiterhelfen.

Was nun?! .. fragten wir uns. Wir entschieden, das Tagesziel anzusteuern und überquerten erst einmal den langgestreckten, naturgeschützten, wunderbaren Useriner See.

Von diesem ging es in den Zierzsee, dann weiter Richtung Westen in den Görtowsee, wo ich bei hochsommerlichen Temperaturen und mit bereits sonnenverbrannten Knien einen kleinen Fisch angelte.

Unser Tagesziel war der Campingplatz zum Hexenwäldchen, der immer näher kam.

Mit Erinnerungen von früheren Paddeltouren musste ich feststellen, dass aus einem kleinen, Startup-Campingplatz in 20 Jahren ein ausgewachsener, durchorganisierter, grosser und freundlicher Campingplatz geworden war.

Börnie

Der i-Punkt des Tages? An der Rezeption wurde uns ein alter, robuster Camping-Gasbrenner geschenkt, den jemand für Menschen in solch einer Situation dort hinterlassen hatte, in der wir uns befanden. Wir waren happy und fühlten uns vom Hexenwäldchen sehr willkommen. Ein warmes Abendessen wartete nun und wir tauften unseren neuen Freund spontan "Börnie".

Was für ein Tag!

5. Tag: Der Tag der Hechte

Der Donnerstag startete im Jamelsee am Hexewäldchen, der uns schnurstracks auf den Havel-Kanal zurückführte. Dieses Mal ging es nach Westen in den Jäthensee, den wir nördlich wieder in den Havel-Kanal verliessen(, der in dieser Gegend Seen wie eine Perlenkette verbindet).

Auf dem Havel-Kanal nach Norden paddelnd, kamen wir der Havel- Quelle immer näher. Plötzlich war da eine Raststation, die Paddler wahrscheinlich den Besuch bei der Fischerei Babke erleichtern soll. Darauf liessen wir uns ein, assen Fischboulette, Pommes und andere Köstlichkeiten.

Gut gesättigt ging es in den Zotzensee, auf dem wir unsere 1. Hecht-Bekanntschaft des Tages machten!

Hecht im Zotzensee

Ich möchte vorwegschicken, dass Jasmin an diesem und dem Tag davor ihre ersten ernsthaften Angelerfahrungen sammelte. Das Ergebnis ihres 1.(!) Fangs: Ein kapitaler Hecht, den wir mit vereinten Kräften bei leichtem Regen in unser Boot verfrachteten.

Vom Zotzensee ging es in den Pagelsee und so kamen wir an die längste Lorenbahn unserer Wasserwander-Tour - mit Unterhaltungswert - wie man im Video weiter oben (3. Tag) gut sehen kann.

Während wir uns dem Tagesziel näherten, wartete eine Aufgabe, die nicht so viel Spass wie die Lorenbahn machte. Kurzum, wir wollten unseren Hecht zum Abendbrot essen, was hiess, dass wir ihn ausnehmen mussten.

Also entschuppten wir unseren Kameraden und entfernten all das, was wir nicht essen wollten, "bestatteten" seine Überreste an ehrvoller Stelle, um dem Tier Respekt zu zollen.

Unterwegs

So langsam aber sicher den Granziner See durchpaddelnd, näherten wir uns nicht nur dem finalen See des Tages, sondern auch der gesamten Tour - dem Käbelicksee - wenngleich uns unser Wasserwandern noch einige Erlebnisse bescheren sollte.

Bei Kanu-Hecht, einem Kanuverleih, dem 2. Hecht des Tages ;-) funktionierte nach Anlaufschwierigkeiten letztlich doch noch alles mit einem Wasserwander-Platz für uns.

Doch es war spät und es wurde bereits dunkel, was blöd war, weil wir ja unsere 1. Hechtbekanntschaft des Tages noch zubreiten wollten. Das taten wir auch!

Hecht filetiert

Hecht zubereitet 1

Hecht zubereitet 2

Hecht zubereitet 3

Angerichtet an Kartoffeln, Möhren und gedünstetem Kohlrabi wurde unser gebratener Hecht mit angenehmem Geschmack, wenngleich etwas grätenreich, zu einer positiven Erfahrung. Wir waren müde. Nach kurzem Gespräch mit anderen Campingplatz-Besuchern war es Zeit, schlafen zu gehen.

6. Tag: Slow down - entspannen beim Landgang

Wir wir am Vorabend erfuhren, waren wir wasserwandermässig am Ziel angelangt - was hiess - der Käbelicksee war in Richtung Norden eine Sackgasse, was uns zu der Überlegung brachte, wie wir unsere restliche Zeit verbringen. Immerhin war es erst früher Samstag, unser Rückreisetag hiess: Sonntag Mittag.

Da wir unseren Unterkunftplatz bei Kanu Hecht etwas eingeengt, dazu noch etwas geräuschintensiver (da an der Strasse gelegen) empfanden, beschlossen wir, der Abwechslung eine Chance zu geben.

Aus Gesprächen am Vortag erfuhren wir von einem weiteren Campingplatz auf der anderen Seite des Käbelicksees, mit Namen Campingplatz Naturfreund.


Dort erwartete uns eine völlig andere Welt!

Hunderte von Campern, Dauercampern, Aussteigern, (Wasser)wanderern, Radtouristen vereinten sich auf wirklich grossem Areal, mit entsprechender Dynamik, wie man sich vorstellen kann.

Mit soviel Zeit und frei von Wasserwander-Paddel-Zielen beschlossen wir, der Stadt Kratzeburg einen Besuch abzustatten .. zu Fuss! ;-)

Auf jeden Fall war es sehr schön, einmal wieder seine Beine benutzen zu können und so schlenderten wir gemütlich vom Campingplatz zur Ortschaft. In besonderer Erinnerung blieb uns die Lütte Meierie, ein Hofladen, geführt von angenehmen Leuten, mit selbst gebackenem Kuchen, Honig, Käse und noch mehr.

Nach unserem Hofladen-Besuch, ging es wieder zurück zum Campingplatz Naturfreund, wo bei herrlichstem Wetter ein kleines Burger-Mobil die Luft mit frisch zubreiteten Burgern auf dem gesamten Campingsplatz verzauberte.

Ob wir da widerstehen konnten? Natürlich nicht.

Wir beschlossen anschliessend, ausgiebig schwimmen zu gehen, um möglichst viele Kalorien zu verbrennen. Der Plan ging halbwegs auf.

Der Campingplatz Naturfreund blieb in angenehmer Erinnerung, da gepflegt und gut organisiert. Nur waren wir für Ruhe, Stille und Entspannung zum Wasserwandern nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen. Von daher war uns der Trubel beinahe zu viel.

Letzte Nacht!

7. Tag: Heimreise - zurück in die Zivilisation

Nach unserem Frühstück packten wir unsere Sachen ein und bauten das Zelt ab, verfrachteten alles in das Boot und fuhren etwas am Strand entlang, in Richtung einer grossen Wiese mit Badestrand, wo wir uns mehr Ruhe und Platz für unseren finalen Landgang erhofften.

Gedacht, getan ..

Bei eher dürftigem Wetter gingen wir noch einmal Abschluss-Baden, um noch etwas zu verweilen und uns dann langsam abholbereit zu machen.

Abschied nehmen

Unser Urlaub endete übrigens so, wie er begann. Mit einem riesig grossen Teller Spaghetti - dieses Mal im Havelkrug in Granzin, in angenehmer Gesellschaft meines Vaters, meiner Mutter und meiner sympathischen Urlaubsbegleitung.

Wasserwandern in Mecklenburg Vorpommern? .. gerne wieder.

Euer,
Jan

Quelle: Erinnerungen